Taketina Newletter September/Oktober '19
oder:
"Die Unsicherheit umarmen"



Haben wir Angst vor dem "Chaos" ?
Stresst es uns, wenn viele Anforderungen gleichzeitig auf uns einwirken ?
Können wir uns leicht anders entscheiden ?
Können wir es uns leisten, Fehler zu machen ?
Und wenn ja, fällt es uns leicht ?
Sind wir gelassen oder angespannt ?

Das sind alles Fragen, die ein bestimmtes Areal in unserem Hirn betreffen.
Aus der Hirnforschung ist bekannt, daß die Amygdala, das "Angstzentrum",
bei diesen Fragen eine wichtige Rolle spielt.

Wir können "Angst" haben - noch bevor wir bewußt darüber sind, da ein Teil der Sinne wie
Geruch oder Berührung direkt mit diesem Zentrum verbunden sind und diese sehr schnell wirken :

a) Herzfrequenz, Blutdruck, Atmung, Blutzucker, Adrenalin, Schwitzen und die Emotionalität steigt
b) das Kurzzeitgedächtnis wird zurückgedrängt und tiefer sitzende Verhaltensmuster werden aktiviert
c) das langsame rationale Denken wird gehemmt und schnelle Handlungen werden begünstigt

Das Gehirn wird vom sympathischen Nervensystem auf Alarm gestellt.

Ein Teil der Sinneseindrücke - insbesondere Hören und Sehen, läuft aber weiterhin über den
Thalamus in den Cortex und Großhirnrinde für die Verarbeitung.
Dort wird überprüft, ob der Alarm zu Recht besteht.
Wenn nicht, dann "beruhigen" wir uns wieder.
Dafür ist das parasympathische Nervensystem verantwortlich.

Zugegeben, die Abläufe sind natürlich viel komplexer....

Im Taketina versuchen wir unter anderem, gezielt das parasympathische Nervensystem anzusprechen,
das Bewußtsein zu fördern und das Angstzentrum zu "beruhigen".

Das wird erreicht durch Bewegung (welche Streßhormone abbaut),
Singen und Sprechen (das wirkt mäßigend auf das Atemzentrum und den Herzschlag),
Rhythmus, Klang und Synchronisation in der Gruppe (aktivieren Thetawellen im Gehirn),
Seitwärtsbewegungen (wirken auf das Gleichgewichtsorgan im Innenohr),
Visualisierungen (wirken auf den Cortex und fördern das Bewußtsein), usw.

Wir haben Phasen von Ordnung und Orientierung im Rhythmus,
aber ab und zu gibt es Orientierungslosigkeit und Chaosmomente.

Diese Phasen von Unsicherheit, Fehler machen und Chaos sind wichtig,
denn wir entwickeln dadurch eine immer größere Fehlertoleranz.
Diese kann zur Streß-Resilienz führen, das ist physische Widerstandskraft
gegenüber Belastungen.

Immer mehr weg von automatischen Streßreaktionen (Dramas, Kurzschlußhandlungen,
emotionellen Reaktionen) hin zu Vernetzungen und Zunahme
von Hirnsubstanz, Lernen und somit Intelligenz.

Ein gelassener Körper ist eine Voraussetzung für mehr Bewußtsein.